„Wie könnte eine Welt aussehen, die indigene Völker respektiert, die daran arbeitet, Rassismus und Kolonialismus in einem globalen Rahmen zu beseitigen?“ (Marcos, 2017)

Das vorherrschende Bild von Native Americans in Deutschland basiert auf Fehlinformationen und Idealisierungen. Es ist deshalb stereotyp und rassistisch. Es macht Natives zum Objekt und reduziert sie auf ein starres Bild oder Maskottchen.

Der Autor Karl May (1842-1912) mit seinem bekanntesten Protagonisten Winnetou prägte mit über 200 Millionen verkauften Büchern die Vorstellung von Native Americans in Deutschland maßgeblich. Wir bezeichnen die Praxis des „Sich als Indianer Verkleidens“ – sei es in Kindergärten, an Fasching, in Hobbyisten-Vereinen oder in Themenparks – als kulturelle Aneignung und daher als eine Strategie, das System weißer Vorherrschaft aufrechtzuerhalten.

Die brutale Kolonialgeschichte und der vom europäischen Kontinent ausgehende die Völkermord an den indigenen Gesellschaften der Amerikas wird meistens unterschlagen und verharmlost. Die Rolle der Deutschen als Mit-Täter*innen dieser Geschichte wird ausgeblendet.

In der deutschen Vorstellung werden Native Americans fast durchgehend mit der Vergangenheit assoziiert. Zeitgenössisches Leben von Natives wird entweder ignoriert oder auf Stereotype wie das von dem „betrunkenen Native“ reduziert.

Die Idealisierung von Native Americans und das starke Bedürfnis vieler Deutscher, sich mit ihnen zu identifizieren, sie sogar zu verkörpern, erfüllen eine psychologische Funktion. Es ist kein Zufall, dass Deutschland als eine Gesellschaft die Genozide ausgeübt hat, sich mit Native Americans als den Opfern und letzten Überlebenden eines anderen Genozids identifiziert.

Es gibt eine lange Tradition, dass rechte und offen rassistische Menschen in Deutschland Native Americans verherrlichen und sich mit ihnen identifizieren. Nicht nur Hitler war ein treuer Fan von Winnetou. Viele der über 100.000 Hobbyist*innen in Deutschland (Menschen, die sich in sogenannten Indianer-Vereinen organisieren und ein Großteil ihrer Freizeit damit verbringen, sich als Natives zu verkleiden) haben rassistische Einstellungen gegenüber Minderheiten in Deutschland und finden sich eher am rechten Rand der deutschen Gesellschaft wieder. Allerdings ist auch in der linken sowie der spirituellen Szene ein problematischer Enthusiasmus und eine Identifikation mit Natives weit verbreitet.

All diese Tatsachen haben einen starken Einfluss auf das Leben und den Aufenthalt von Native Americans in Deutschland. Zunächst fühlen sich viele Natives erst einmal geehrt und befreit, von weißen Menschen komplett anders behandelt zu werden als in den USA. Natives, die in Deutschland leben oder hier geboren sind, realisieren jedoch schnell, dass die deutsche Faszination von Natives nicht ihnen persönlich gilt, sondern vielmehr der Befriedigung deutscher Fantasien.

Wir leben in einer kolonialen Gegenwart und brauchen Dekolonialisierung. Werbung und Bildung, Filme, Musik, Kunst und Museen müssen dekolonialisiert werden. Auch die Solidaritätsbewegung (z.B. mit Standing Rock) ist nicht frei von rassistischen, idealisierten und paternalistischen Gedanken und Verhaltensweisen und muss ebenfalls dekolonialisiert werden. Es braucht jedoch eine Dekolonialisierung des Geistes, die auf beiden Seiten stattfinden muss: bei den Kolonialisierenden und den Kolonialisierten.

Wir sehen einen Bedarf an mehr rassismuskritischer Bildung im Allgemeinen und insbesondere zum Thema Rassismus gegen Native Americans. Die deutsche Öffentlichkeit muss sensibilisiert werden bezüglich der Gewalt, die von ihrer Haltung gegenüber Native Americans ausgeht. Es braucht Räume, um zu erforschen wie ein dekolonialisierter Kontakt, in dem es ein Bewusstsein über historisches Trauma und aktuellen Rassismus gibt, aussehen kann. In English.

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Unser Film ist in Englisch und Deutsch mit englischen oder deutschen Untertiteln erhältlich.

Filmdetails:

  • Ein Dokumentarfilm in voller Länge über 70 Minuten.
  • Der Film wird die Themen Stereotype, kulturelle Aneignung und Rassismus mit einem kritischen Blick auf die Geschichte der Native Americans und die Tradition von deutscher „Indianertümelei“ verknüpfen.
  • Forget Winnetou! wird der Frage nachgehen, welche Möglichkeiten es gibt zu verlernen und zu dekolonialisieren.
  • Wir werden Native Aktivist*innen, Wissenschaftler*innen und Künstler*innen interviewen, sowie Menschen, die sich kritisch mit der deutschen Wahrnehmung von und Haltung gegenüber Native Americans beschäftigen.
  • Der Hauptfokus des Films liegt auf Interviews, die mit graphischen Animationen verknüpft werden.